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IHK-Konjunkturumfrage: Lage gut, Luft wird dünner -  „Der Aufschwung in der heimischen Wirtschaft verliert an Fahrt. Über alle Branchen hinweg ist die Lage nach wie vor gut. Die Luft wird jedoch deutlich dünner. Die Unsicherheiten nehmen zu, vor allem in der Industrie. Zugleich profitiert der Handel von einer anhaltend guten Konsumstimmung, die von der steigenden Beschäftigung und Einkommenszuwächsen getragen wird“, kommentiert IHK-Präsident Felix G. Hensel die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage, an der sich 400 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.

„Nur“ noch rund ein Fünftel der Betriebe geht in den kommenden Monaten von besseren Geschäften aus. Zum Jahresanfang gaben das noch 32 % der Unternehmen an. „Die regionale Wirtschaft ist dennoch gut aufgestellt: 53 % der Unternehmen geben eine gute Lage an, unwesentlich weniger als zu Jahresbeginn. Trotz der Abkühlung bewegen wir uns auf einem hohen konjunkturellen Niveau“, betont Felix G. Hensel weiter. Zwei Drittel der Betriebe erwarten zudem eine künftig stabile Entwicklung. Jedoch sei in Summe der regionale Klimaindex als Zusammenfassung von Lagebeurteilungen und Erwartungen im Vergleich zum Jahresanfang von 137 auf 126 Punkten spürbar zurückgegangen. Damit liege der Index aber noch deutlich über dem langfristigen Mittel.

Die Industriebetriebe sind weiterhin über alle Branchen hinweg sehr gut ausgelastet. Sie geben sogar unter dem Strich eine deutlich gestiegene Investitionsneigung an. IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „39 % der Industrieunternehmen wollen in den nächsten zwölf Monaten im Inland mehr investieren als zuvor. Nur wer zuversichtlich ist und wachsen will, nimmt Geld in die Hand. Dieses Wachstum müssen die Märkte hergeben. Die steigende Investitionsneigung wird sicher auch dadurch getragen, dass In- und Auslandsumsätze der heimischen Industrie bis einschließlich August dieses Jahres um 8 % angestiegen sind. Auch das ist sehr erfreulich.“ Zwar bedeuten höhere Umsätze nicht immer auch gestiegene Erträge und nicht allen Firmen geht es gut. Bleiben aber einschneidende Überraschungen aus, dürfte 2018 für die regionale Industrie nach Einschätzung der IHK ein insgesamt gutes Jahr werden, auch wenn die Erwartungen der Firmen nun zurückgingen. Unzählige Kriege und Krisen dämpften die Stimmung. Klaus Gräbener: „Dass es nach unten geht, hat uns nicht wirklich überrascht, zumal auch der Bund eine konsequent mittelstandsorientierte Politik nach wie vor schuldig bleibt. Eine Unternehmenssteuerreform wird nicht angefasst, nach sieben Jahren besteht bei der Energiewende immer noch kein gesellschaftlicher Konsens über deren konkrete Umsetzung und vom Schuldenabbau hört man auch angesichts von Milliardenüberschüssen insgesamt zu wenig.“

Die Stimmung drückt zudem, dass der Protektionismus weltweit zunimmt. Die durch den US-Präsidenten Trump ausgelösten internationalen Zoll- und Handelsstreitigkeiten betreffen vor allem die wichtigen Märkte in China und den USA. Sie belasten auch hiesige Exportunternehmen direkt und indirekt ganz erheblich. IHK-Konjunkturexperte Stephan Jäger: „Allein der heimische Maschinenbau dürfte rund 500 Mio. € Umsatz in diesen beiden wichtigen Zielländern realisieren. Dies verdeutlicht das Problem.“ Etliche Exportchancen würden vereitelt, weil z. B. Banken angesichts drohender US-Sanktionen bei der finanziellen Abwicklung etwa im Iran oder in Russlamd nicht mehr mitspielten oder internationale Produktionsketten empfindlich gestört würden. Felix G. Hensel: „Nicht ohne Grund hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die weltweiten Wachstumsaussichten für dieses und nächstes Jahr nach unten angepasst.“ Auch den bevorstehenden Brexit betrachten die heimischen Unternehmen nach wie vor als hohes Risiko: Noch immer droht ein harter Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Das Vereinigte Königreich ist der drittwichtigste Exportmarkt für die NRW-Wirtschaft. Des Weiteren stellt der gestiegene Außenwert des Dollars für viele Schwellenländer verbunden mit ihren hohen Auslandverschuldungen eine Last dar und hemmt dort die Wirtschaftsentwicklung. Stephan Jäger: „Das alles bremst ebenfalls heimische Exporte aus. Für die EU selbst sind die hohen Verschuldungen in südeuropäischen Staaten ein Manko für die fiskalische Stabilität. Derzeit gilt dies besonders für Italien. Schließlich sorgen die gestiegenen Öl- und Rohstoffpreise für weitere Unabwägbarkeiten.“
Im hiesigen Einzelhandel klettert im Vergleich dazu das Konjunkturklima nach oben. Klaus Gräbener: „Die Konsumstimmung fällt in weiten Teilen positiv aus. Sie wird trotz überdurchschnittlich ansteigender Verbraucherpreise durch niedrige Zinsen und vor allem durch die gute Arbeitsmarktlage begünstigt. Wir nähern uns der Vollbeschäftigung.“ Der Bau boomt nach wie vor. Für die kommenden Monate erwartet die Branche eine ruhigere Entwicklung, auch saisonal bedingt. Großhändler und Dienstleister schätzen ihre Lage noch einmal besser ein als zu Jahresbeginn. Dagegen nehmen sie ihre Erwartungen für die nahe Zukunft spürbar zurück.

Zu den Ergebnissen im Einzelnen:
Mehr als die Hälfte der Industriebetriebe meldet eine gute Lage, nur 8 % eine schlechte. 56 % sind bis zur Spitze ausgelastet, nur unbedeutend weniger als im Januar 2018. Fast neun von zehn Betrieben geben Auslastungsgrade von über 70 % an. Deutlich mehr als jedes dritte Unternehmen möchte zudem die Inlandsinvestitionen in den kommenden Monaten ausweiten, nur 12 % senken. Allerdings werden die Auftragseingänge aus In- und Ausland im Saldo negativer eingestuft als zu Jahresbeginn. Die regionalen Automobilzulieferer erwarten etwa auf hohem Niveau eine Beruhigung. Neben der Dieseldiskussion spüren sie die Probleme bei deutschen Autoherstellern bezüglich der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP („Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure“). Auch andere Branchen werden vorsichtiger. Im Ergebnis geht „nur“ noch ein Viertel aller Industriebetriebe von künftigen Steigerungen aus, 9 Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn. Allerdings sind auch nur 10 % pessimistisch eingestellt. Knapp zwei Drittel erwarten stabile Geschäfte.
Fast drei Viertel der befragten Baubetriebe geben eine gute Lage an, kein Unternehmen meldet eine schlechte. 83 % sind bis zur Spitze ausgelastet. Der regionale Bauumsatz stieg im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr vom hohen Niveau aus um 1,4 %. Hingegen geben nun weniger Firmen als bisher steigende Impulse an. Zudem steht die eher ruhigere Wintersaison an. Nur noch 9 % der Betriebe bauen daher auf künftig bessere Geschäfte und 17 % auf ungünstigere. Drei Viertel erwarten einen stabilen Verlauf.

42 % der Einzelhändler stufen ihre Lage als gut ein, 12 % als schlecht. Etliche haben aufgrund der guten Konsumstimmung zuletzt ihre Umsätze steigern können. Die Erträge stiegen jedoch nicht in gleichem Maße. Gleichzeitig melden Textil- und Kfz-Handel schlechtere Geschäfte als zuvor. Ersterer bleibt wegen des anhaltend schönen Wetters auf Herbstware sitzen und bei vielen Kfz-Händlern stockt der Pkw-Verkauf aufgrund der besagten WLTP-Probleme. Es stehen hierfür zu wenig genehmigte Modelle zur Verfügung. Dies wiederum verlängert die Lieferzeiten. Für die kommenden Monate setzt der gesamte Einzelhandel nicht auf große Sprünge: Nur 15 % hoffen auf Zuwächse, 12 % fürchten Einbußen. Immerhin fast drei Viertel erwarten stabile Geschäfte.
Mehr als die Hälfte der Großhändler stuft die Lage als „gut“ ein, nur 7 % als „schlecht“. Besonders der konsumnahe Bereich meldet positive Impulse. Aber auch der produktionsnahe Großhandel verzeichnet zuletzt gute Umsätze, obwohl nun hier und da schon mehr zurückhaltende Kunden registriert werden. Insgesamt erwarten die Betriebe in Zukunft auf hohem Niveau einen ruhigeren Verlauf: Ein Fünftel sieht Steigerungen (Januar 2018: 43 %), nur 7 % Rückgänge. 72 % erwarten gleich bleibende Geschäfte.
57 % der Dienstleister melden eine gute Lage, nur 4 % eine schlechte. Besonders die unternehmensnahen Dienstleistungen verzeichnen Zuwächse. Aber auch die sonstigen Dienstleister und das Verkehrsgewerbe melden gute Umsätze und Erträge. Letztere befürchten aber künftig deutlichere Abstriche als die anderen Branchen. Weniger als ein Fünftel aller Dienstleister geht von besseren Geschäften in naher Zukunft aus, fast genauso viele sind skeptisch eingestellt. Immerhin zwei Drittel der Betriebe hoffen auf eine stabile Entwicklung.


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