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13.05.2022 - „Leipziger Erklärung“ beim Handwerkspolitischen Forum Ost übergeben - Das zentrale Kernthema des zweiten Handwerkspolitischen Forums (HAFO) am 11. Mai 2022 war die Botschaft: Ohne das Handwerk ist eine Energiewende nicht umsetzbar. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der angestrebten Beschleunigungswelle des Ausbaus der erneuerbaren Energien. Doch das Handwerk sieht sich vor große Herausforderungen gestellt, die zu lösen sind, um die Energiewende voranzutreiben. Dafür fordern die Handwerkskammern der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen in einer „Leipziger Erklärung“ Unterstützung von der Politik. Das Handwerk fordert einen ständigen themengebundenen Dialog zwischen Politik, Handwerk und Industrie. Zugleich benötigen die Betriebe Unterstützung für die Aus- und Weiterbildung, effizientere Genehmigungsverfahren sowie eine Reduzierung von Bürokratie, heißt es in der Erklärung. 

„Im Handwerkspolitische Forum Ost waren sich die Handwerkskammern einig, dass eine erfolgsträchtige Umsetzung der Energiewende nur mit dem Handwerk machbar ist“, erläutert Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle.
Das Handwerkspolitische Forum Ost fand zum zweiten Mal nach 2020 statt und ist Bestandteil der mitteldeutsche handwerksmesse. Wegen der pandemiebedingten Absage der Messe im vergangenen Februar fand das Treffen von Politik, Wirtschaft und Politik im Mai 2022 statt.

Leipziger Erklärung anlässlich des Handwerkspolitischen Forums Ost


Energiewende nur mit dem Handwerk machbar!
Deutschland steht vor enormen energie- und klimapolitischen Herausforderungen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Erhöhung der Energieeffizienz sind dabei zentral für das Gelingen der Energie- und Klimawende. Bei der Umsetzung der größten Beschleunigungswelle des Ausbaus der erneuerbaren Energien kommt dem Handwerk eine entscheidende Rolle zu. Dafür benötigt das Handwerk mehr denn je verlässliche Rahmenbedingungen, um Arbeits- und Ausbildungsplätze zu sichern und seinen Beitrag zur Wertschöpfung in Deutschland zu leisten. Wir setzen uns dafür ein, dass unsere Handwerksbetriebe diese zentrale Rolle wahrnehmen können.


1. Energiewende braucht den Dialog zwischen Herstellern, Handwerk und Politik
Ohne Handwerk wird es keine erfolgreiche Energiewende geben. Die Ausgestaltung der Energiewen-de wird von den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik und nicht zuletzt von einer Kommuni-kation auf Augenhöhe und Transparenz bestimmt. Industrie, Handwerk und Politik müssen als gleich-berechtigte Partner kontinuierlich im Dialog stehen. Die Unternehmen brauchen zusätzlich zu klaren und verbindlichen Rahmenbedingungen, eine Wirtschafts- und Finanzpolitik, die durch umfassende Gründungs-, Innovations- und Wachstumsförderung ein gesundes Investitionsklima schafft. Alle Dia-logpartner benötigen eine realistische Bewertung der Umsetzbarkeit der energiepolitischen Agenda, die sich mit den zeitlichen Vorgaben, technologischen Herausforderungen verbunden mit Technolo-gieoffenheit, den Kosten sowie benötigten Investitionen, Kapazitäten und vor allem dem hohen und gleichzeitig entsprechend qualifiziertem Personalbedarf kritisch auseinandersetzt.


2. Energiewende braucht ein Mehr an Qualifizierung
Nur mit ausreichend qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern können die ambitionierten Kli-maschutzziele der Bundesregierung erreicht werden. Das Handwerk entscheidet also über die Umset-zung der Klimaneutralität und somit über die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland. Vor die-sem Hintergrund muss die Bedeutung und Wertschätzung der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Handwerk stärker in den Fokus gerückt werden. Berufliche und akademische Bildung müssen als gleichwertige Alternativen verstanden werden. Die mit der demografischen Entwicklung einhergehen-de Verknappung des Fachkräftepotenzials wird den Wettbewerb um qualifiziertes Personal zusätzlich anheizen. Die Bedeutung der Ausbildung des Nachwuchses im Handwerk sowie der permanente Qua-lifizierungsbedarf zur Bewältigung der Energiewende bedürfen eines Wandels beim Denken und Han-deln. An dem bewährten System der dualen Berufsausbildung ist festzuhalten: Das Qualifizierungsni-veau im Handwerk darf keinesfalls zugunsten von einseitigen Zertifizierungsmaßnahmen aufgeweicht werden, denn nachhaltige Wartung und Optimierung komplexer Systeme bedarf der Erfahrung von Meistern und Gesellen.


3. Energiewende braucht moderne Ausbildungsbedingungen in den Bildungszentren
Bildung ist der Schlüssel für eine beruflich sichere Zukunft und Erfolg. Unsere Handwerksbetriebe stellen zusammen mit den Bildungszentren das Fundament der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Moderne Werkstätten, Unterrichtungs- und Schulungsräume bilden die Grundlage für eine Aus- und Weiterbildung, die die Herausforderungen der Energiewende erfolgreich meistern. Das Anliegen, eine hohe Ausbildungsqualität zu garantieren und in diesem Zusammenhang die Attraktivität der berufli-chen Ausbildung zu erhöhen, ist von gesamtgesellschaftlichen Interesse. Daher ist eine kontinuierliche Förderung der Bildungszentren unter Beachtung steigender Energie- und Materialkosten zu gewährleisten. Hier muss die Politik ein klares Bekenntnis zur Bewältigung des Fachkräftemangels abgeben, um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit unserer Handwerksbetriebe und damit des Wirtschafts-standortes Deutschland zu stärken.


4. Energiewende braucht effizientere und schnellere Genehmigungsverfahren
Die dringend notwendige Planungssicherheit für Handwerk und Mittelstand bei der Umsetzung der Energiewende muss durch eine generelle Beschleunigung und Vereinfachung der Förderverfahren flankiert werden. Verwaltung und Genehmigungsverfahren sind daher zu modernisieren, zu entbüro-kratisieren und zu digitalisieren mit dem Ziel, die Verfahrensdauer deutlich zu senken, d. h. mindes-tens zu halbieren. Kurzfristig sind mittels elektronischer Antragsverfahren Bearbeitungsdauer und gleichzeitig Kosten zu reduzieren. Insgesamt sind breit zuwendungsfähige und niedrigschwellige För-derprogramme aufzulegen. Eine Abkehr von der ganzheitlichen Prüfung hin zu einer stichprobenarti-gen Prüfung der Förderanträge – die Vertrauen statt Kontrolle voraussetzt – ist zu favorisieren.


5. Energiewende braucht Entlastung des Handwerks von Bürokratie
Mit den Herausforderungen der Energiewende dürfen die Belastungen des Handwerks durch Bürokra-tie nicht noch weiter zunehmen. Besonders kleine Handwerksbetriebe müssen verhältnismäßig hohe zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen einsetzen, um bürokratische Vorgaben zu bewältigen. Ein verbindlicher KMU-Praxistest ist daher in die Gesetzesfolgenabschätzung aufzunehmen, die Kom-plexität von Regelungen sowie umfangreiche Dokumentationspflichten sind zu reduzieren sowie grundlegend kleinbetriebliche Strukturen bei der Rechtssetzung zu beachten. Die einmalige Datener-fassung (once only) sowie die Regelung, dass für jede neue Vorschrift zwei bestehende gestrichen werden (one in, two out), müssen endlich in der Praxis umgesetzt werden.


6. Energiewende als nationale Anstrengung und europäischer Vorbildfunktion begreifen
Die Handwerksbetriebe tragen die anspruchsvollen und ambitionierten Ziele der Energiewende aktiv mit – als Energienutzer wie auch als Anbieter innovativer Produkte und Dienstleistungen. Die Heraus-forderungen der Klimakrise und der Energiewende können wir jedoch nur gemeinsam in einer nationa-len Anstrengung aller Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik und der Menschen vor Ort umsetzen. Es muss uns gelingen, die Energiewende wirtschaftlich und technologisch zum Erfolg zu führen und ebenso sozial verträglich zu gestalten. Im europäischen Kontext muss Deutschland als starker, inno-vativer und verlässlicher Partner agieren, nicht zuletzt unter Beachtung der schwierigen geopolitischen Lage.


Die Handwerkskammern der Bundesländer
Mecklenburg-Vorpommern,
Brandenburg,
Sachsen-Anhalt,
Sachsen und
Thüringen.

Handwerkskammer Halle (Saale)
Gräfestraße 24
06110 Halle