News Termine Ausschreibungen Marktplatz Kaffeepause Recht

Handwerk und IHK Gewerbe News. Über 100 Tsd. Betriebe präsentieren sich hier.

 

 
 

Ist Deutschland bei der Digitalisierung bereits abgehängt oder hat es weiterhin Chancen auf die Spitzenplätze? Das ist aktuell ein beliebtes Diskussionsthema, nicht nur in Politik und Medien. Wie es um die digitale Transformation in der hessischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) steht, hat der Arbeitgeberverband HESSENMETALL jetzt in einer Studie ermittelt. Sie zeigt: Die Hälfte der hessischen M+E-Unternehmen schätzt sich als eher hoch digitalisiert ein, die anderen 50 Prozent stehen noch am Anfang des Prozesses. Beteiligt hatten sich an der Studie 121 Metall- und Elektro-Unternehmen. „Die Umfrage unter unseren Mitgliedsunternehmen zeigt: Die M+E-Industrie in Hessen ist mittendrin im Transformationsprozess“, fasste Wolf Matthias Mang, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL die Ergebnisse zusammen. Die hessischen M+E-Unternehmen hätten bereits viel erreicht und planten für die nächsten fünf Jahre mit massiven Investitionen in ihre weitere Digitalisierung. Allerdings gebe es noch erhebliches Potenzial bei der Digitalisierung der Produktion sowie bei neuen digitalen Produkten und Dienstleistungen.


Insbesondere die großen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten und kleine Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten sehen sich als digitale Vorreiter. Mittelgroße Unternehmen halten sich hingegen eher nicht für Digitalpioniere. Unabhängig von der Unternehmensgröße sind jedoch noch erhebliche Potenziale vorhanden: Bei der Digitalisierung ihrer Produktionsprozesse geben sich die Unternehmen durchschnittlich 4,1 von 10 möglichen Punkten. Bis zum digitalen Zwilling, bei dem Maschinen bis hin zu ganzen Fabriken digital abgebildet werden, ist es für die meisten Unternehmen also noch ein längerer Weg.


Chancen, Herausforderungen und Empfehlungen

· 50 Prozent der hessischen M+E-Unternehmen sind schon digital, die andere Hälfte sucht noch nach digitalen Möglichkeiten
· Erhebliches Potenzial bei der Digitalisierung der Produktion, bei neuen digitalen Produkten und digitalen Dienstleistungen
· Deutlich höhere Investitionen in Digitalisierungsmaßnahmen geplant
· Hemmnisse: Fachkräftemangel, unzulängliche Breitbandinfrastruktur und mangelndes Know-how
· Digitalisierung fördern: Empfehlungen an die hessische Landespolitik

Investitionen in Zukunftstechnologien
Dennoch sehen die Unternehmen digitale Technologien als Garanten für den zukünftigen Erfolg der M+E-Industrie in Hessen. Die größte Bedeutung messen sie der Mensch-Maschine-Interaktion, additiven Fertigungsverfahren wie dem 3D-Druck und der Robotik bei. In der aktuell besonders thematisierten Künstlichen Intelligenz sehen immerhin 75 Prozent der Unternehmen einen Erfolgstreiber für die M+E-Industrie.

Deutlich wird jedoch auch: Viele hessische M+E-Unternehmen schöpfen das Potenzial digitaler Innovationen noch nicht voll aus. Bisher reagieren sie mit der Entwicklung neuer digitaler Produkte und Dienstleistungen, die schon heute wichtige Umsatztreiber in der M+E-Industrie darstellen, vor allem auf Kundennachfragen und den Wettbewerbsdruck. Die disruptiven Neuentwicklungen kommen im Laufe der Digitalisierung der Produktion, die oft einen größeren Umbau des Unternehmens zur Folge hat. Dennoch investieren heute schon zwei Drittel der M+E-Unternehmen in digitale Geschäftsmodelle und innovative Technologien.

Insgesamt geben 90 Prozent der Unternehmen an, mehr als 1 Prozent ihres Umsatzes für Investitionen in die Digitalisierung aufzuwenden. Schon heute investieren zwischen 20 und 30 Prozent der Unternehmen sogar mehr als 6 Prozent ihres Umsatzes in die digitale Transformation. In fünf Jahren wollen bis zu 50 Prozent der Unternehmen die 6-Prozent-Marke überschreiten. Die Investitionen betreffen vor allem die Digitalisierung der Produktion, die Weiterbildung von Beschäftigten und neue Software. Die größten Hemmnisse der digitalen Transformation liegen für die befragten M+E-Unternehmen im Fachkräftemangel, der unzulänglichen Breitbandinfrastruktur, geringem Digitalisierungs-Know-how innerhalb des Unternehmens und begrenzten finanziellen Ressourcen. „Die geplante Verdoppelung der Investitionen in den kommenden fünf Jahren zeigt: Die M+E-Unternehmen investieren massiv in die digitale Transformationen, die sie als wichtigen Teil der Zukunftssicherung ansehen“, so Vorstandsvorsitzender Mang. „Dabei braucht unsere M+E-Industrie jedoch auch die Unterstützung der Politik.“

Empfehlungen für eine industrienahe Digitalisierungspolitik
Die Mehrheit der Unternehmen sehe einen deutlichen Handlungsbedarf vor allem bei einer Intensivierung der staatlichen Investitionen – in Sicherheit, Standardisierung, Flexibilität und eine schnelle Infrastruktur. In diesem Zusammenhang formulierte der HESSENMETALL-Vorstandsvorsitzende eine Reihe von Empfehlungen an die hessische Landespolitik.

Dazu gehört die Neubelebung der Initiative Digitales Hessen mit Impulsen, die über die bestehende Förderstruktur hinausgehen, alle laufenden hessischen Förder- und Beratungsprogramme zusammenfasst und sie bedarfsorientiert ausbaut. Gerade die Finanzierung von Digitalmaßnahmen müsse – insbesondere mit Blick auf technologieaffine und innovative Geschäftsmodelle – erleichtert und der Zugang zu Risikokapital vor allem für junge Unternehmen verbessert werden. Beispielsweise sind eine branchenspezifische Weiterentwicklung des vom Wirtschaftsministerium geförderten Online-Tools Digi-Check sowie die Einführung eines KI-Checks sinnvoll. Zudem können zusätzliche regionale Hubs z. B. in Kassel, Wetzlar und Offenbach als branchenübergreifende Anlaufstellen für Unternehmen zum Erfahrungsaustausch gegründet werden. Besonders wichtig für die Digitalisierung der Industrie ist die Fortsetzung der Finanzierung des Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrums an der Technischen Universität Darmstadt. Bei der Qualifizierung von Fachkräften wünschen die Unternehmen, stärker unterstützt zu werden: z. B. durch die Ergänzung des Digi-Zuschusses um eine Weiterbildungslinie und ein Weiterbildungsdarlehen über die WI-Bank. „Digitalisierung funktioniert nicht mit menschenlosen Fabriken. Sondern nur mit smarten Fabriken, die erst in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine intelligent werden“, so Mang.

O-Töne
Eine Auswahl anonymisierter Einschätzungen aus, im Rahmen der Studie, geführten Experteninterviews

„Der Staat ist gefragt, mehr in Sicherheitsstrukturen und Standardisierung zu investieren.“

„Neben den klassischen Wünschen wie 5G und Breitband wünsche ich mir ein vernünftiges Budget für F&E, um KI und autonomes Fahren weiter voranzutreiben.“

„Was uns ausbremst, ist das Thema Datenübertragung. Sie können sich die besten Sachen ausdenken, wenn Sie kein Zugriff auf das Netz bekommen.“

„Auch das Fördersystem muss man erst einmal durchsteigen, mit viel Dokumentation und Verwaltung. Im Zweifel macht man es dann lieber selbst.“

„Für uns hilft es auch, den digitalen Geist bei Unternehmen insgesamt zu wecken. Das hilft uns dann auch, unsere digitalen Produkte zu verkaufen.“

„Es müssen neue Teams gebildet werden und es braucht eine neue Art von Mitarbeiter. Leute, die bereits digital denken. Das müssen nicht unbedingt IT-ler bzw. Informatiker sein, aber Leute, die mit solchen Ideen etwas anfangen können, die so etwas auch weitertreiben. Darüber hinaus braucht es entsprechende Fachleute, die dann die Software bzw. Simulationsprogramme umsetzen.“

„Hauptproblem für den Mittelstand sind die Kapazitäten der Mitarbeiter, die Zahl der Mitarbeiter, die dafür notwendig ist, um das ganze System auf den Stand zu bringen, damit wir mit Firmen konkurrieren können, die mehrere Tausend Ingenieure und IT-Leute haben. Die haben einen ganz anderen Drive.“


Weitere Informationen
Die ausführlichen Ergebnisse der Digitalisierungsstudie und alle Handlungsempfehlungen der hessischen M+E-Industrie an die Landespolitik in Hessen finden Sie unter: www.hessenmetall.de/digitalisierung 

Treffen Sie uns auf dem DIGITAL FUTUREcongress
Als Arbeitgeberverband möchten wir unsere Mitglieder in der digitalen Transformation begleiten. Bei HESSENMETALL verstehen wir uns als Plattform für den digitalen Wandel mit der Kernkompetenz rund um die Arbeitsbeziehungen, also auch für Arbeit 4.0. Deshalb bringen wir unter anderem Anwender und Anbieter digitaler Lösungen zusammen – egal ob etabliertes Unternehmen oder IT-Startup. So vernetzen wir Herstellerwissen mit der Anwenderpraxis unserer Mitgliedsunternehmen zu einer Win-Win-Gemeinschaft für beide Seiten. Aus diesem Grund wird HESSENMETALL auch in diesem Jahr wieder auf dem DIGITAL FUTUREcongress in Frankfurt, der größten Kongressmesse für Digitalisierung in Hessen, vertreten sein.

Treffen Sie uns dort am 18. Februar
Messe Frankfurt – Forum, Stand Q5
Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60327 Frankfurt/Main

Mehr Informationen finden Sie unter www.hessenmetall.de 


Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen e. V. (HESSENMETALL)