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04.09.2020 - Braucht Hamburg klimafreundliche Wärmekonzepte, um die Energiewende zu schaffen? „Auf jeden Fall“ sagen 89 Prozent der über 160 Teilnehmer bei der Online-Tagung housewarming 2020. Für zehn Prozent der Befragten hat der Klimaschutz bei der Wärme immerhin „mittlere Bedeutung“. Zusammen stimmten damit 99 Prozent der Teilnehmer der Notwendigkeit klimafreundlicher Wärmekonzepte zu. Die Onlinekonferenz zeichnete ein klares Stimmungsbild der Bau und Wohnungswirtschaft sowie des Handwerks. Energieberater und Vertreter öffentlicher Unternehmen bildeten mit 30 bzw. 32 Prozent die größte Teilnehmergruppe. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand Wasserstoff als klimafreundlicher Energieträger für Hamburg.Die Veranstalter, das ZEWU (Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik) der Handwerkskammer Hamburg und der städtische Netzbetreiber Gasnetz Hamburg ziehen eine positive Bilanz. „Wasserstoff wird die Energieversorgung in Hamburg in den kommenden Jahrzehnten nachhaltig verändern – darüber sind sich die Akteure in unserer Stadt bewusst“, sagt Udo Bottlaender, technischer Geschäftsführer von Gasnetz Hamburg. „Deshalb freuen wir uns, dass Handwerk, Planer, Bau- und Wohnungswirtschaft sich schon jetzt mit den Chancen und Herausforderungen befassen, die wir vor uns haben. Das beweist die hohe Teilnehmerzahl und das Ergebnis unserer Umfrage.“

Hjalmar Stemmann, Präsident Handwerkskammer Hamburg fasst zusammen: „Bislang spielte Wasserstoff noch kaum eine Rolle in den Quartieren. Mittlerweile aber sind in Hamburg neue Quartiere in Planung, in denen grüner Wasserstoff seine Vorteile in einer neuen Infrastruktur ausspielen könnte. Gerade dem SHK- und Elektrohandwerk bieten sich hier große Chancen. Das Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik der Handwerkskammer begleitet Handwerker auf dieses neue Terrain. Die Housewarming heute war dafür ein gelungener Auftakt.“

Der Vortrag des prominenten Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx hatte bei der Veranstaltung viele interessierte Teilnehmer angezogen. Horx unterstrich bei seinem Blick in die Energiezukunft, nicht der Verzicht sondern die Fülle bereitstehender Energien werde die Entwicklung treiben. Alleine die Sonne strahle in zwei Minuten so viel Energie auf die Erde, wie global in einem Jahr verbraucht werde. Bei der Gebäudetechnik ginge es nun darum, Technologien so intelligent zu verknüpfen, dass Bewohner von den neuen Möglichkeiten profitierten. So wäre die breite Akzeptanz gesichert, wie vor wenigen Jahren bei der Einführung der Smartphones. Horx betonte: „Wir sind am Anfang einer großen Revolution.“ Sie werde alle Bereiche der Versorgung beim Überwinden fossiler Energieträger erfassen. Wasserstoff spiele dabei eine zentrale Rolle.

Der süddeutsche Universitätsprofessor Dr.-Ing. M. Norbert Fisch zeigte anhand seines Projekts „Neue Weststadt“ in Esslingen, wie die sektor-übergreifende Energieversorgung eines ganzen Wohnquartiers funktioniert. Industrie und Schwerlastverkehr sieht er als große Wasserstoffnutzer, doch die Gebäudewärme profitiere ebenfalls. In Esslingen nutzt er bei der Elektrolyse auch die Abwärme der Anlagen, so dass die Energieeffizienz auf rund 90 Prozent steigt. Dies sei ein zentrales Argument, die Wasserstofferzeugung in Städten anzusiedeln, denn Industrieversorgung und Gebäudewäre ließen sich ideal verknüpfen. Gasnetze als bestehende Infrastruktur könnten den Wasserstoff als Beimischung transportieren, wie es demnächst in Hamburg-Bergedorf erprobt werde. Die Akzeptanz der Esslinger sei enorm, wie eine Bürgerbeteiligung gezeigt habe. „Wir müssen uns auf Europa konzentrieren“, forderte Prof. Fisch bei der H2-Produktion.

Für den Amtsleiter Energie, Anselm Sprandel, der Hamburger Umweltbehörde ergeben sich aus dem technologischen Wandel immense Chancen für das Handwerk. Bis 2030 müsse Hamburg insgesamt sieben Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das Dekarbonisieren der Wärmeversorgung basiere auf einem Ausbau der städtischen Wärmenetze und dezentraler Einspeiser in der gesamten Stadt. Ganze Quartiere würden energetisch eingebunden – auch mit Ansätzen wie in Esslingen. Hamburg sei sehr interessiert an einer Wasserstoffwirtschaft, doch H2 spiele heute noch keine Rolle bei der Gebäudewärme. Große Elektrolyseanlagen und deren Abwärme könnten das aber in Zukunft ändern. 50 Prozent erneuerbare Energien würden bereits 2021 Vorschrift bei Neubauten – so müssten Gas-Brennwertthermen mit Solaranlagen und Wärmepumpen verknüpft werden. Zu den Herausforderungen zählten fehlende Fachkräfte und der Ausbau von Beratungsangeboten für Bürgerinnen, Bürger und die Wohnungswirtschaft.

Weiterführende Info https://www.dvgw.de/themen/energiewende/wasserstoff-und-energiewende/

 

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