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„Es war an der Zeit, mein eigenes Ding zu machen“ Meistergründungsprämie für zwei Unternehmer aus dem Kammerbezirk - Meistertag in Solingen Anfang September – von der Übergabe des Bescheids an Empfängerin Filiz Schulz durch Landeswirtschaftsminiter Prof. Dr. Andreas Pinkwart (r.) und unseren Kammer-Präsidenten Berthold Schröder – in seiner Funktion als Vorsitzender der Landesgewerbeförderungsstelle Handwerk (LGH).- Auf den ersten Blick scheinen Filiz Schulz und Lars Zimmermann nicht sehr viel gemeinsam zu haben. Sie arbeitet als Friseurmeisterin in Dortmund, er als Tischlermeister in Bochum. Und auch sonst gibt es bei beiden nicht viele Schnittmengen. Eine Sache vereint Schulz und Zimmerman jedoch ungemein: Der Wille, etwas Eigenständiges zu schaffen – ein Unternehmen mit Charakter und Wiedererkennungswert zu gründen. Den Weg dorthin haben beide unter anderem mit Hilfe der Handwerkskammer (HWK) Dortmund bereits für sich geebnet. Für ihre ambitionierten Unternehmenskonzepte erhielten Schulz und Zimmermann nun beim NRW-Meistertag des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) in Solingen die Bescheide über ihre Meistergründungsprämien.


„Die Prämie ist eine wichtige Unterstützung. Ich stehe gerade ganz am Anfang mit meiner Manufaktur ,Grubenholz‘, da gehören größere Investitionen für den Aufbau der nötigen Ausstattung dazu. Ob nun für den Verwaltungsbereich oder die Werkstatt, Geld muss in jedem Fall ausgegeben werden“, sagt Zimmermann. Der 28-jährige Tischlermeister hat schon während seiner Zeit als Geselle den Traum gehabt, sich in seinen Arbeiten stärker verwirklichen zu können. Nach der bestandenen Meisterprüfung 2017 war der Schritt auf die nächste Ebene daher nicht fern. „Ich stieg zum Gesellschafter in meinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb auf. Die Frage der Selbstständigkeit beschäftigte mich aber weiterhin. Ich wollte etwas Eigenes und Neues auf die Beine stellen,“ erinnert er sich.
An genau diesem Punkt befand vor einem Jahr auch Filiz Schulz. Knapp 13 Jahre hat die Mutter einer dreijährigen Tochter bereits in einem Dortmunder Friseursalon gearbeitet, sechs davon als Meisterin. „Die größte Freude hat mir immer die Ausbildung junger Menschen gemacht“, so Schulz. Das liege ihr einfach, erzählt sie freudestrahlend. Sie hatte sich damals sogar vorstellen können, ausschließlich als Fachdozentin an Berufsschulen oder in Bildungszentren zu arbeiten. Da sie ihr Handwerk aber nicht weniger gern ausgeübt habe, wuchs in ihr der Wunsch nach einem eigenen Salon. „Es war an der Zeit, mein eigenes Ding zu machen. Ein Konzept hatte ich auch schon im Kopf. Einzig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellte mich als Mutter vor eine Herausforderung.“ Doch frei nach dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, fand Schulz eine Lösung. „Einem Friseur-Kollegen, den ich sogar selbst vor einigen Jahren ausgebildet hatte, erzählte ich von meiner Idee mit der Selbstständigkeit. Ich musste gar nicht lange weiterreden, da war er schon mit an Bord.“ Die Last, alles alleine bewältigen zu müssen, fiel der Jungunternehmerin mit dem Einstieg ihres Geschäftspartners von den Schultern. Motiviert durch die zusätzliche Unterstützung und Ermutigung ihres Ehemanns, ließ sich Schulz für ihr Gründungsvorhaben einen Termin bei der HWK Dortmund geben.


„In der Beratung wurden nicht nur mein Businessplan und alle weiteren bürokratischen Notwendigkeiten besprochen und ausgewertet“, sagt Tischlermeister Lars Zimmermann. Auch er hat sich vor seiner Unternehmensgründung bei der Kammer beraten lassen. „Mit wurde auch die Meistergründungsprämie vorgestellt. Davon hatte ich vorher noch nichts gewusst und die Option, eine Förderung von 7.500 Euro zu bekommen, wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.“ Der Antrag wurde gestellt und die Bewilligung kam nur kurze Zeit später. Im Mai gründete Zimmermann sein Unternehmen in Bochum. Eigentlich wollte er schon im März an den Start gehen. Die Corona-Pandemie hat das jedoch verzögert. „Ich bin selbst erstaunt, wie gut es trotz der ganzen Situation angelaufen ist. Die ersten Aufträge sind bereits eingegangen“, sagt er. Zusammen mit einem Vollzeitangestellten und einer Teilzeitkraft gestaltet der junge Tischlermeister nun seinen beruflichen Traum: „Als Selbstständiger kann ich meiner kreativen Ader noch mehr Freiräume geben. Ich wollte immer schon überwiegend mit Holz aus der Region arbeiten, wodurch ich auch auf dem Firmennamen ,Grubenholz‘ kam. Außerdem sollen die Stücke, die bei uns handwerklich und mit Liebe zum Detail produziert werden, eine ganz spezielle Handschrift bekommen. Mein Ziel ist es, eine Manufaktur mit vier bis fünf Mitarbeitern und Auszubildenden aufzubauen und Arbeiten zu kreieren, an denen man direkt erkennen kann, dass sie aus unseren Händen kommen.“     

         
Auch Filiz Schulz sticht mit dem Unternehmenskonzept für ihren Salon „Shine like a Diamond“ hervor und erhielt die Meistergründungprämie. Neben besonderen Farbtechniken wie Balayage, Faceframes und Babylights, die in Europa noch nicht sehr weit verbreitet sind, bietet sie mit ihrem Geschäftspartner und einem Auszubildenden den Kunden vor allem eine ausführliche Beratung und ein luxuriöses Gesamterlebnis. „Man soll sich bei uns wie im Kurzurlaub fühlen“, betont sie. Wie ernst sie das meint, zeigen die beiden Massagesessel, in denen sich die Kunden bei Ozeanklängen und vor einer Videoleinwand mit Strandmotiv das Haar waschen lassen können. Auch der Salon selbst ist trendig und einladend gestaltet. „Das war mir wichtig, da wir viel Laufkundschaft haben und die Menschen auch gerne mal am Schaufenster stehenbleiben.“ Allein dadurch habe sich seit der ebenfalls Corona- verzögerten Eröffnung des Salons im belebten Dortmunder Kaiserviertel Anfang Juni ein guter Kundenstamm aufgebaut. Viele Kunden seien, so die Friseurmeisterin, ihr aber auch nach ihrem Ausstieg beim ehemaligen Arbeitgeber treu geblieben. „Ich hatte anfangs ein paar Bedenken, weil wir nicht der einzige Salon auf dieser Straße sind. Außerdem wurde mir von einigen Leuten prophezeit, dass es lange dauern würde, bis man seine Kosten tatsächlich decken könne.“ Etwas verlegen, aber dennoch stolz gesteht sie, dass sie dies bereits im ersten Monat geschafft habe. „Ich glaube das liegt daran, dass wir hier mit viel Leidenschaft bei der Sache sind. Wir lieben, was wir tun.“ Besonders freue sie sich auf die Fachkräfte, die sie künftig selbst ausbilden und übernehmen möchte. „Und vielleicht gibt es irgendwann auch noch weitere Filialen unseres Salons.“

Die Landesregierung unterstützt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung Existenzgründungen im Handwerk mit der Meistergründungsprämie NRW. Die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH) ist Bewilligungsbehörde, die die Zuwendung für das Land bewilligt und auszahlt. Gefördert werden Existenzgründungen, Firmenübernahmen und mehrheitliche Beteiligungen in NRW durch Handwerksmeister*innen. Die Förderhöhe beträgt als Zuschuss 7.500 € und wird nur für erstmalige Gründung einer nachhaltigen Existenz gewährt. Die Antragstellung muss vor der Existenzgründung, Übernahme oder Beteiligung bei der zuständigen Handwerkskammer erfolgen.

 

 

Foto: „Filiz Schulz“ © HWK Dortmund / Kätrin Brillowski
Foto: „Meistergründungsprämie“ © WHKT/Rolf Göbels

Handwerkskammer Dortmund
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